Gruselig: Online-Käufe auf Rechnung via Klarna und Billpay

Ich wollte online eine Bestellung aufgeben und klickte auf Rechnung. Hierfür muss man das Geburtsdatum angeben und der Datenweitergabe an Klarna (z.B. bei www.hitmeister.de) bzw. Billpay (z.B. bei www.atp-autoteile.de) zustimmen. Zunächst gab ich ein falsches Geburtsdatum an. Die Zahlart „Rechnung“ wurde abgelehnt. Dann gab ich mein korrektes Geburtsdatum an. Es klappte. Offensichtlich findet hier ein Datenabgleich statt. Ein Blick in meinen Online-Zugang zur Schufa belegt, dass Klarna meine Daten direkt bei der Schufa abfragt. 

Klarna_Schufa

Ich weiß nicht, warum, aber irgendwie missfällt es mir, nun bei einem Online-Kauf auch noch mein (korrektes) Geburtsdatum angeben zu müssen. Daher habe ich die Bestellung storniert und der Datenweitergabe und -speicherung widersprochen.

In Deutschland gibt es Billpay seit dem 1.1.2010, Klarna seit dem 29.03.2010, zumindest werden seitdem die Bilanzen auf Bundesanzeiger gelistet.

Ähnlich verlief es bei Bonprix, allerdings ohne dass Klarna oder Billpay dazwischengeschaltet wurden. Zudem habe ich ein falsches Geburtsdatum angegeben. Dennoch konnte Bonprix bei der Schufa anfragen, ob meine Bonität für einen Rechnungskauf genügt. Da ich einen Online-Zugang zur Schufa habe, konnte ich die Anfrage zeitnah sehen.Bonprix2_Schufa Ich frage mich allerdings, welche Daten hierbei übermittelt werden – nur der sog. Schufa-Score oder auch das Geburtsdatum? Ich habe bei Bonprix nachgefragt. Aber Bonprix hat nur die Daten aufgeführt, die ich bei der Anmeldung angegeben hatte, und mich an die Schufa verwiesen. Auf meine Nachfrage, dass Bonprix doch Daten von der Schufa erhalten haben muss, anderenfalls hätten sie die Ware nicht auf Rechnung an mich versandt, wurde gemauert. Daraufhin ließ ich mein Kundenkonto löschen.

Ich plädiere dafür, dass Online-Händler wieder vermehrt das Lastschriftverfahren anbieten (so wie Amazon), das ganz im Sinne des §3a BDSG ist, da kein Dritter (Klarna, Billpay, Schufa u.a.) zwischengeschaltet wird. Zwar kann man eine Lastschrift innerhalb von sechs Wochen zurückbuchen, was sicherlich viele Händler als Risiko ansehen. Aber eine Rückbuchung ist innerhalb von 180 Tagen auch bei Paypal möglich, wenn z.B. die Ware nicht angekommen ist (sog. Konfliktlösungen). Ich denke, bei Klarna und Billpay wird es ähnliche Regelungen geben. So kann man bei Klarna das Zahlungsziel um zehn Tage verlängern oder auch gar nicht zahlen, was beim Kauf auf Rechnung nun mal möglich ist. Natürlich werden dann Klarna und Billpay ein Inkassounternehmen beauftragen, um das Geld einzutreiben.

Ergo: Der Kauf auf Rechnung birgt mindestens ein genauso großes Risiko wie das Lastschriftverfahren, ersteres ist aber i.S.v. §3a BDSG als bedenklich einzustufen, wenn diese Zahlart von Drittanbietern übernommen wird, wohingegen letzteres kundenfreundlicher ist.

Nachtrag: Obwohl ich den Kauf auf http://www.hitmeister.de storniert habe, weigert sich nun Klarna, meine Daten zu löschen. Meines Erachtens gibt es für die Speicherung keine rechtliche Grundlage, was Klarna pauschal anders sieht. Klarna schreibt hierzu am 2.11.15:

„Wir möchten Sie darüber informieren, dass auch wenn der Käufer seine Einwilligung zur Verwendung der personenbezogenen Daten widerruft, Klarna weiterhin dazu berechtigt bleibt, die personenbezogenen Daten zu verarbeiten, zu nutzen und zu übermitteln, insofern dies zur vertragsmäßigen Zahlungsabwicklung durch Klarnas Dienste notwendig ist, rechtlich vorgeschrieben ist oder von einem Gericht oder einer Behörde gefordert wird. Nach den gesetzlichen Bestimmungen wird Klarna die Daten blocken, die von uns aus den genannten Gründen nicht gelöscht werden können oder deren Löschung nicht sofort vorgenommen werden kann.“

Und weiter schreibt Klarna am 9.11.2015:

„Wir dürfen aus gesetzlichen Gründen nicht alle Ihre Daten sofort löschen, nur blockieren. Auch wenn – wie in Ihrem Fall – die Zahlungsabwicklung bereits abgeschlossen ist oder die Bestellung storniert wurde, bleiben wir weiter verpflichtet, Daten über diese bereit zu halten. Rechtsgründe, warum wir Ihre Daten nicht unmittelbar löschen dürfen, sind z.B. Gesetze zur Bekämpfung von Geldwäsche, Buchhaltungs- und Steuergesetzgebung sowie Verbraucherschutzregulierungen.“

Meine Fragen vom 10.11.15 wurden noch nicht beantwortet:

„1.) Nennen Sie mir bitte den konkreten Gesetzestext, demzufolge die Daten auch bei einer Stornierung weiterhin gespeichert werden dürfen.
2.) Wie lange werden die Daten blockiert? Wann werden sie gelöscht? Nennen Sie mir bitte auch hier den konkreten Gesetzestext für die von Ihnen genannten Fristen.
3.) Bitte löschen Sie mein Kundenkonto. Ich werde mich nie wieder dort einloggen oder bei Online-Bestellungen per Rechnung bezahlen, wenn Klarna dazwischengeschaltet wird.“

Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

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